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Der Weg des Kaffees von der Ernte bis nach Europa
Jede Kaffee-Ernte ist für einen Kaffeebauer eine Herausforderung
mit einem erheblichen Aufwand. Mit der Ernte stehen die Kaffeebohnen nicht
etwa am Ende, sondern erst am Anfang ihrer weiten Reise rund um die ganze
Welt.
Die
Ernten fallen jedes Jahr je nach Temperaturen und Niederschlagsmenge anders
aus. Generell kann nicht mehr als ein Kilo Rohkaffee pro Jahr von einem
einzelnen Kaffeebaum geerntet werden. Deshalb ergibt eine sehr gute Ernte
von rund 100 Bäumen in der Regel auch nur einen einzigen 60 Kilosack
Rohkaffee. Dafür benötigt ein guter und gelernter Pflücker
je nach Arbeitsbedingungen drei bis sechs Tage. Dies ist auch der Grund,
warum die Erntekosten in vielen Ländern mehr als die Hälfte
der Gesamtkosten ausmachen, die auf einer Kaffeeplantage anfallen. Lediglich
in den tropischen Ländern ohne einen klaren Unterschied zwischen
Trocken- und Regenzeit können die Kaffeebäume zwei Mal im Jahr
blühen und zwei Ernten bringen. In der Regel gibt es aber nur eine
Erntezeit, die sich über zehn bis zwölf Wochen erstrecken kann,
da nicht alle Früchte gleichzeitig reif sind. Sind die Früchte
aber reif, müssen sie innerhalb weniger Tage abgeerntet werden, denn
nach zehn Tagen sind sie überreif und ungenießbar.
Die
optimale Kaffee-Ernte ist extrem aufwändig, garantiert dafür
aber insbesondere für Arabica-Kaffees eine sehr hohe Qualität:
Die reifen Kirschen werden einzeln von Hand gepflückt. Diese selektive
Ernte wird alle acht bis zehn Tage wiederholt, bis auch die nachgereiften
Früchte gepflückt sind. Bei der weniger optimalen Strip-Pflückung
werden alle Kaffeekirschen unabhängig von ihrem Reifegrad von den
Zweigen gestreift und fallen in auf dem Boden ausgebreitete Tücher.
Die un- und überreifen Kirschen müssen nachträglich aussortiert
werden. Erntemaschinen werden zurzeit nur in Brasilien eingesetzt, allerdings
werden hierbei nicht nur un- und überreife Kirschen mit geerntet,
sondern auch loser Schmutz, Blätter und Zweige. Deshalb ist diese
Methode für hochwertige Kaffees gänzlich ungeeignet.
Aufbereitung, Reinigung und Sortierung
Kaffeekirschen sind nach der Ernte weder genussfähig, noch länger
haltbar. Da sie auch einen Transport nicht überstehen würden,
müssen sie direkt aufbereitet werden. Beim Aufbereitungsverfahren
wird die gesamte Umhüllung der Kerne, also Fruchthaut und -fleisch,
Pergamenthaut sowie Silberhäutchen, entfernt und der größte
Teil des Wassers der Bohne entzogen.
Unterschieden
wird zwischen der trockenen und der nassen Aufbereitung. Bei der weniger
aufwändigen Trockenaufbereitung werden die gleichmäßig
reifen Kaffeekirschen auf betonierten oder gepflasterten Flächen
ausgebreitet. Zwischen drei und fünf Wochen dauert die Trocknung
in der Sonne. Währenddessen müssen die Früchte ständig
gewendet und vor Regen oder Temperaturschwankungen geschützt werden.
Die Trennung von Umhüllung und Bohne erfolgt in Schälmaschinen.
Für
die Nassaufbereitung werden pro Kilo Rohkaffee etwa 130 bis 150 Liter
klares Quell- oder Brunnenwasser benötigt, weshalb diese Art der
Aufbereitung alleine wegen des Wassermangels nicht in jedem Kaffeeanbauland
durchgeführt kann. Die Kaffeekirschen werden zuerst in Wasser geschlämmt
und Verunreinigungen sowie minderwertigere Früchte entfernt. Dann
wird im Pulper das Fruchtfleisch von den Bohnen getrennt und der gelöste
Kern in Fermentationsbecken während 12 bis 36 Stunden von an der
Pergamenthaut haftenden Resten befreit. Es folgen der letzte Waschgang
sowie eine 10 bis 15 Tage dauernde Trocknung.
Die Kombination aus beiden Verfahren wird als halbtrockene Aufbereitung
bezeichnet. Das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche wird so weit und gut wie
möglich maschinell abgetrennt und die Bohnen mit den anhaftenden
Fruchtfleischresten getrocknet. Das halbtrockene Verfahren gilt als wassersparend
und umweltschonend, da nur wenig Wasser benötigt wird.
Nach
der Aufbereitung bleibt dann nur noch die saubere und trockene Kaffeebohne
übrig. Bis zur endgültigen Vermarktung folgen noch zahlreiche
Reinigungs- und Sortierarbeiten, bei denen die Kaffeebohnen nach Größe,
Dichte und Farbe sortiert werden, bis schließlich eine Art Endklassifizierung
vorgenommen wird. Erst jetzt wird er in Säcke oder Schütten
abgefüllt und ist fertig für seine Reise zur Rösterei.
Kaffeehandel
Der fertige Rohkaffee wird häufig nicht sofort weiterverarbeitet,
sondern erst einmal zwischengelagert. Wenn alle Faktoren wie geruchsneutrale
Lagerung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit beachtet werden, ist Rohkaffee
über ein Jahr ohne Probleme haltbar.
Noch
im Herstellerland wird der Rohkaffee von Kaffeeimporteuren und Maklern
begutachtet. Jeder große Kaffeeimporteur hat in den wichtigsten
Ländern Niederlassungen mit Spezialisten, die vor Ort die verschiedenen
Kaffees individuell für ihre Kunden testen und etliche Kaffeeproben
in alle Welt schicken. Die Bewertung erfolgt nach Kriterien wie Form,
Größe, Einheitlichkeit der Bohnen, Farbe, Hornigkeit, Schale,
Schnitt, Glanz, Glätte der Bohnen, Anteil an Fehlbohnen, Fremdbesatz
und Geruch.
Die Kaffeehändler haben in ihren Portfolios nicht nur Rohkaffee-Klassiker
aus allen wichtigen Anbaugebieten, sondern auch die eine oder andere Rarität.
Aus all diesen Angeboten werden schließlich sowohl sortenreine Kaffees,
als auch die vielen Mischungen erstellt, in denen fünf bis zehn verschiedene
Rohkaffee zu finden sind.
Der Weg des Kaffees nach Europa
Wie
zu Kolonialzeiten tritt der Rohkaffee seine Reise nach Europa in den berühmten
Kaffeesäcken zu 60 Kilo und zunehmend als völlig unromantisches
Containerschüttgut mit dem Schiff an. Für den Massentransport
in den Containern werden zumeist so genannte Bigbags aus Polyäthylen
verwendet. Mittlerweile sind alle großen Kaffeeproduzenten und auch
Großröstereien für diese Bulkverschiffung mit passenden
Containerbefüllvorrichtungen ausgestattet. Dies lohnt jedoch nur
bei entsprechenden Mengen einer Sorte, und für qualitativ hochwertige
Spezialitätenkaffees ist diese Transportart so und so nach wie vor
tabu. Diese Kaffees werden ausschließlich traditionell in Säcken
oder Fässern verschifft.
Für die Überquerung der Meere benötigen die Schiffe von
den Häfen der Produktionsländer nach Bremen oder Hamburg, den
ersten Kaffeeumschlagplätzen in Deutschland, gut drei bis vier Wochen.
Je nach Qualitätsanspruch des Kaffeeherstellers wird der Rohkaffee
nochmals nachverlesen oder auch nachgetrocknet, bevor es zur Röstung
geht. Geröstet wird in aller Regel im Importland, da gerösteter
Kaffee im Gegensatz zum Rohkaffee nur zwei bis drei Wochen lagerfähig
ist. Der fertige Röstkaffee muss unmittelbar vakuumiert und/oder
tiefgekühlt werden.

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