Nach ihrer langen Reise müssen die rohen Kaffeebohnen zu Spitzen-,
Schon- oder entkoffeinierten Kaffees verarbeitet werden. Eine besondere
Bedeutung kommt dem richtigen Rösten der Kaffeebohnen zu.
Kaffeerösten ist eine Kunst, von der der Geschmack des Kaffees abhängt.
Rohe Kaffeebohnen haben so gut wie keinen Geschmack, erst das Rösten
erweckt die 800 bis 1.000 Aromastoffe, die in den Kaffeebohnen schlummern,
zum Leben. Bei 220 bis 250 Grad Celsius werden die Bohnen zwischen 12
bis 20 Minuten in einer Drehtrommel in Bewegung gehalten. Während
des Röstens verdampft das in den Kaffeebohnen enthaltene Wasser und
die Bohnen blähen sich durch den inneren Überdruck auf die doppelte
Größe auf. Dann verändert sich die Farbe der Bohnen von
Zartgrün über Gelb und Gelbbraun nach Hell- oder Dunkelbraun.
Dabei bildet sich auch das spezifische Kaffeearoma.
Genau
genommen wird bei der Röstung ein chemischer Prozess in Gang gesetzt,
die so genannte Maillard-Reaktion, die an vielen Prozessen in Kochtöpfen
und Pfannen beteiligt ist. Dieser komplexe chemische Ablauf ist zwar kompliziert,
kann aber einfach beschrieben werden: Der Zucker in einem Lebensmittel
reagiert bei Hitze ab etwa 140 Grad Celsius mit Proteinen, Aminosäuren
und Peptiden. Das Wasser wird abgespalten und verschiedene neue Produkte,
wie zum Beispiel Aromastoffe, bilden sich. Bei der Röstung von Kaffeebohnen
wird Stärke in Zucker verwandelt, einige Säuren bilden sich,
andere werden abgebaut. Die Eiweiße werden in Peptide zerlegt, die
als Öle hervortreten. Schließlich verbinden sich Zucker und
Proteine zu sehr aromatischen Substanzen und braunen Pigmenten, die die
Bohnen einfärben. Das Gewicht der Bohnen nimmt um bis zu 20 Prozent
ab, gleichzeitig kann sich das Volumen verdoppeln. Dieser Prozess ist
hörbar, denn während der Röstung löst sich die Zellstruktur
und die Bohnen werden förmlich mit einem hörbaren Knacken gesprengt.
Wird bei der Röstung nicht die optimale Temperatur erreicht, können
sich die Aromen und Säuren nicht richtig entfalten. Bei zu kühler
oder zu kurzer Röstung treten die enthaltenen Aromaöle nicht
an die Oberfläche, bei zu heißer oder langer Röstung schmeckt
der Kaffee dünn und verbrannt. So liegt es alleine in der Hand des
Röstmeisters, die Nuancen des Geschmacks zu bestimmen und zu verändern.
Nach dem Röstprozess werden die gerösteten Bohnen entweder mit
Luft oder aber mit Wasser abgekühlt. Je nach Resultat und Qualität
erfolgen wieder eine Reinigung sowie eine mechanische oder optische Sortierung.
Verarbeitungen für besonders verträgliche Kaffees
In Schon- und entkoffeinierten Kaffees wird durch spezielle Verfahren
der Gehalt bestimmter Kaffee-Inhaltsstoffe vermindert, um die Bekömmlichkeit
der Kaffees zu verbessern.
Für Schonkaffees werden den Kaffeebohnen ihre Säuren
und Reizstoffe noch vor dem Rösten entzogen. Für eine bessere
Verträglichkeit des Kaffees werden zum Beispiel das Silberhäutchen
und der Kaffeewachs entfernt, der die Kaffeebohnen in einer dünnen
Schicht umlagert, was einer zusätzlichen Reinigung des Rohkaffees
gleichkommt. Eine andere Methode ist die Bearbeitung des Rohkaffees
mit Wasserdampf, bei der durch Druck, Temperatur und Feuchtigkeit die
Inhaltsstoffe verändert werden, was zu einem Ab- und Umbau der
Säuren führt. Bei diesen speziellen Behandlungen der Kaffeebohnen
bleibt das Aroma unversehrt erhalten. Übrigens muss ein Schonkaffee
nicht zwangsläufig auch entkoffeiniert sein.
Entkoffeinierte Kaffeesorten dürfen nach der deutschen
Kaffeeverordnung nicht mehr als 1 Gramm Koffein auf 1 Kilogramm Trockenmasse
enthalten. Arabica-Kaffeebohnen enthalten zwischen 10 und 15 Gramm Koffein,
Robustas bis zu 20 Gramm. Dieses Koffein wird vor dem Rösten aus
den Rohkaffeebohnen herausgelöst. Dafür nehmen die rohen Kaffeebohnen
zuerst ein Wasserbad, in dem den Bohnen das Koffein und alle wasserlöslichen
Stoffe durch ein Extraktionsmittel entzogen werden. Dann wird das Koffein
mit Aktivkohle aus dem Wasser gefiltert und das koffeinbefreite Wasser
zu einem Aromakonzentrat eingedampft und wieder auf die Kaffeebohnen
aufgesprüht. Im letzten Arbeitsschritt wird der nasse, vom Koffein
befreite Kaffee auf den normalen Feuchtigkeitsgehalt des Rohkaffees
getrocknet.
Die naturmilden Kaffees gehören nicht zu den Schon- oder
entkoffeinierten Kaffees, denn diese Kaffees müssen nicht gesondert
bearbeitet werden. Stattdessen enthalten die Kaffeebohnen von Natur
aus weniger schmeckbare Säuren, haben also einen leichteren und
milderen Geschmack. Vor allem Kaffees aus Brasilien und Kolumbien erfüllen
diese Anforderungen.
Löslicher Kaffee / Instant Kaffee
Löslicher Kaffee besteht zu 100 Prozent aus reinem Kaffee und darf
keinerlei Zusätze enthalten. Zur Herstellung werden Kaffeebohnen
frisch geröstet, schonend gemahlen und mit heißem Wasser aufgebrüht.
Durch das Wasser lösen sich die Kaffeeinhaltsstoffe und es entsteht
ein sehr kräftiger und dickflüssiger Kaffee-Aufguss, aus dem
der Kaffeesatz entfernt wird. Übrig bleibt ein Kaffee-Extrakt, dass
entweder durch Sprühtrocknen oder Gefriertrocknen konzentriert wird.
Bei der Sprühtrocknung wird der Kaffee-Extrakt unter Druck in einem
Trockenturm versprüht und zerstäubt. Durch Zugabe von heißer
Luft verdunstet das Restwasser und es entstehen winzige Kügelchen
aus reinem Kaffee, die in den unteren Teil des Turmes fallen, abkühlen
und gesammelt werden. Bei der Gefriertrocknung wird der Kaffee-Extrakt
bei Temperaturen von minus 40 bis 50 Grad Celsius erst schockgefroren,
dann zerkleinert und gemahlen. Die Kaffee-Extrakt-Eisstücke kommen
in eine Gefriertrocknungskammer, in der das Wasser im Hochvakuum sowie
unter allmählicher Erwärmung verdampft, ohne sich vorher zu
verflüssigen. Übrig bleiben feste und trockene Kaffeekörnchen.
Am Ende der Produktion steht ein lösliches Kaffeeprodukt, das nur
noch mit Wasser aufgeschüttet werden muss. Von Vorteil ist auf jeden
Fall die einfache Zubereitung ohne jede Kaffeemaschine oder sonstiges
Zubehör. Im Trend sind zurzeit vor allem die löslichen Mixgetränke
auf Basis eines löslichen Kaffees, wie zum Beispiel Cappuccino-Geschmacksrichtungen.
Ein Trend zum Billigkaffee ist vor allem bei großen Herstellern
und Röstereien, die ihre Kaffees zumeist in Supermärkten
verkaufen, verstärkt festzustellen.
Die Kette beginnt mit dem Aufkauf von billigstem Rohkaffee und
endet bei einer industriellen Schnellröstung. Hierbei werden
die Kaffeebohnen quasi im Schnelldurchflug in zwei Minuten bei bis
zu 500 Grad Celsius geröstet. Die Bohnen können bei diesem
Verfahren weder alle Aromen entfalten, noch können sich die
Säuren richtig entwickeln.
Das Resultat ist eine übersäuerte und wenig aromatisch
schmeckende Koffeinbrühe, die auch im Ansatz nicht mit einem
hochwertigen Röstkaffee zu vergleichen ist.
Kaffeerösten @ home
Es mag merkwürdig klingen, aber Kaffeebohnen können auch
in den eigenen vier Wänden selber geröstet werden. Das
Heimrösten ist keineswegs nur etwas für Enthusiasten,
sondern quasi ein Gegentrend zum billigen Industriekaffee.